Vollautomatisierte Fertigung mit Leitsystem und SmartFactory

Case Study: Komplexe Anlage in der Kunststoffindustrie – Steuerung über SPS und Leitsystem

Für Entscheider

Die Bilanz des Projekts

Manuelle Prozesse, sequenzielle Aufträge, Papierlisten — und wie eine vollautomatisierte Anlage das änderte.

20%

mehr Anlagenauslastung durch parallele Auftragsausführung

2 Std.

täglich weniger Aufwand in der Auftragsvorbereitung – dank automatisch generierter Rüstlisten

150 Min.

tägliche Einsparung beim Reinigungsaufwand für Werkzeuge

50%

weniger Reinigungsaufwand pro Werkzeugdurchgang – von durchschnittlich 30 auf 10 bis 15 Minuten

60 Min.

tägliche Einsparung durch automatische Erkennung verschmutzter Produktionsformen

100 %

Autonomer Betrieb – Materialwechsel ohne Maschinenstillstand

Kürzere Rüstzeiten

Werkzeugwechsel ohne Anlagenstopp: der Folgeauftrag startet, bevor die Vorgängerformen die Anlage verlassen haben

Planungs- sicherheit

Werkzeuge und Vormaterial jederzeit im Überblick, Fehlmengen und Stillstände sind frühzeitig erkennbar

ATR Software hat für einen Kunststoffverarbeiter ein maßgeschneidertes Leitsystem entwickelt, das als digitale Schaltzentrale einer vollautomatisierten Fertigungsanlage dient. Wo zuvor Rüstlisten von Hand erstellt, Werkzeuge pauschal gereinigt und Aufträge sequenziell abgearbeitet wurden, steuert heute eine durchgängig digitalisierte Infrastruktur diesen Bereich der Produktion. Das Ergebnis: messbar höhere Anlagenauslastung, deutlich kürzere Rüstzeiten und erheblich gesunkener manueller Aufwand.

Das Projekt

Für den Aufbau einer vollautomatisierten Fertigungsanlage bei einem Hersteller von Kunststoffteilen entwickelte ATR Software ein anlagenspezifisches Leitsystem als digitales Herzstück der Steuerung. Es übernimmt die Verwaltung von Aufträgen, Rezepten, Werkzeugen, Werkstückträgern, Produktionsformen und Vormaterial sowie die Überwachung des Reinigungsprozesses. Außerdem rufen die Werker wichtige Informationen zur Anlage mithilfe des Moduls Werkerassistenz der SmartFactory direkt über ein Tablet ab.

Hintergrundwissen

Leitsystem und ATR.SmartFactory.Plattform

Was ist ein Leitsystem?

  • Es steuert und organisiert Fertigungsaufträge, koordiniert den Werkstückdurchlauf und stellt Betriebsmittel bereit.
  • Prozessdaten (z. B. Temperatur, Durchfluss, Energieverbrauch) werden kontinuierlich erfasst, analysiert und für schnelle Eingriffe und Optimierungen übersichtlich dargestellt 
  • Die Softwarekomponenten verbinden und kontrollieren viele Maschinensteuerungen und Automatisierungsgeräte (SPS, Roboter und Sensoren) als Grundlage für eine flexible und effiziente Produktion.
  • Kurz gesagt: Das Leitsystem ist die „intelligente Schaltzentrale“ einer Anlage – es sorgt für Effizienz, Sicherheit und Übersicht und dient als Schnittstelle zwischen Bediener und Technik.

Abgrenzung zu der ATR.SmartFactory.Plattform

Während das Leitsystem maschinen- und anlagenzentriert arbeitet, agieren die Funktionen der ATR.SmartFactory.Plattform auf einer übergeordneten Ebene: Die SmartFactory übernimmt beispielsweise Fertigungsaufträge aus dem ERP-System, organisiert Ressourcen, Betriebsmittel und Qualitätsdaten und verbindet die Produktion direkt mit der Unternehmensplanung. In diesem Projekt entwickelte ATR Software ein anlagenspezifisches Leitsystem. Die Werkerassistenz der SmartFactory stellt die Tablet-Oberfläche für die Werker bereit. Darüber hinaus tauscht das Leitsystem kontinuierlich Daten mit der ATR.SmartFactory.Plattform aus und bezieht von dort die Informationen für die Steuerung der Anlage.

Die Aufgabe

Die Industrie 4.0 wird in immer mehr verarbeitenden Unternehmen zur Realität. Das damit verbundene Potenzial in Hinblick auf Leistung und Produktivität sollte bei der nächsten Anlage des Unternehmens voll ausgeschöpft werden. Für den langjährigen Bestandskunden stand von Beginn an fest, mit dieser Anlage neue Wege im Bereich der Digitalisierung und Automatisierung zu gehen.

Dieser Kunde ist ein Unternehmen aus der Kunststoffindustrie, das kleine Teile aus verschiedenen Materialien und Farben fertigt. Die unterschiedlichen Vormaterialien werden hierfür in Formen gegossen und danach verpresst. Dabei muss die Oberfläche der Teile höchsten Qualitätsanforderungen entsprechen.

Früher mussten Aufträge einzeln nacheinander abgearbeitet, Rüstlisten von Hand berechnet und nahezu alle Werkzeuge unabhängig vom tatsächlichen Nutzungsstatus täglich mehrfach gereinigt werden. Fehleranfälligkeit und begrenzte Transparenz waren die Folge, die durch das Projekt in Zukunft ausgeschlossen werden sollen.

Die Umsetzung

Für die Planung und Realisierung der Anlage einschließlich der kompletten Steuerung wurde neben dem Team von ATR Software die Firma fischer Sondermaschinenbau GmbH beauftragt. Das Unternehmen aus Horb am Neckar verantwortete die gesamte Hardware inklusive Mechanik und Elektronik sowie die SPS-Programmierung und die Vorbereitung der Schnittstelle zum Leitsystem von ATR Software. Die Konzeption der 8 × 2 m großen Fertigungsanlage und das dafür entwickelte Layout ermöglichen eine vollständig flexible Nutzung. Die Programmierung der sechs eingesetzten KUKA-Roboter lag ebenfalls im Verantwortungsbereich von fischer Sondermaschinenbau.

Die Steuerung der Gesamtanlage realisierte ATR Software mit einem maßgeschneiderten Leitsystem. Es fungiert als Bindeglied zwischen dem ERP-System und den SPS-Steuerungen der Maschinen und koordiniert alle produktionsrelevanten Abläufe in Echtzeit. Um diese Aufgabe zu erfüllen, benötigt das Leitsystem Informationen aus der ATR.SmartFactory.Plattform. Dafür arbeitet es mit den Modulen Auftragsmanagement, Rezeptmanagement, Betriebsmittelmanagement, Maschinenüberwachung, Qualitätsmanagement und ERP-Schnittstelle zusammen.

Das Leitsystem umfasst unter anderem:

  • Auftragsverwaltung und Visualisierung
  • Verwaltung der Rezepte
  • Verwaltung und Überwachung von Werkzeugen
  • Verwaltung der Werkstückträger in der Anlage
  • Verwaltung der Produktionsformen
  • Verwaltung des Vormaterials
  • Überwachung des Reinigungsprozesses

Die Rüstlisten werden nun automatisch aus den Auftragsdaten berechnet und durch die SmartFactory auf einem Tablet visualisiert. Gleichzeitig ermöglicht das Leitsystem die parallele Abarbeitung von zwei Aufträgen – eine wesentliche Verbesserung gegenüber dem früheren sequenziellen Betrieb. Für Werkzeugwechsel muss die Anlage nicht mehr vollständig leergefahren werden; der Folgeauftrag kann gestartet werden, während sich noch die letzten Produktionsformen des Vorgängerauftrags in der Anlage befinden.

Ein integriertes Kamerasystem erkennt verschmutzte Produktionsformen automatisch und schleust diese gezielt zur Reinigung aus – ohne Zutun eines Werkers. Darüber hinaus werden die erfassten Verschmutzungsdaten über die Data-Analytics-Komponenten des Leitsystems ausgewertet: Produktionsformen mit wiederkehrenden Verunreinigungen werden systematisch identifiziert und gezielt aufbereitet.

Bei der Werkzeugreinigung ersetzt softwaregestützte Erkennung die bisherige Pauschalreinigung: Das Leitsystem erfasst dafür, welche Werkzeuge der fünf Bearbeitungsstationen tatsächlich genutzt wurden, und visualisiert diese Informationen auf einem Tablet. Die Reinigung beschränkt sich damit auf die tatsächlich beanspruchten Werkzeuge.

Funktionen

Automatische Erstellung und Visualisierung von Rüstlisten auf dem Tablet

Parallele Ausführung von zwei Aufträgen

Werkzeugwechsel ohne Anlagenstopp

Erkennung verschmutzter Produktionsformen mit Computer Vision

Auswertung von Verschmutzungsdaten mithilfe von Data Analytics

Gezielte Reinigung der Werkzeuge auf Basis der Nutzungsdaten

Automatische Rezeptzuweisung und Übergabe an die SPS

Überwachung von Betriebsmitteln und Werkzeugen

Bidirektionale Anbindung an das ERP-System

Für die Fachebene

Verbesserungen und Vorteile

Weniger Aufwand, höhere Auslastung, mehr Kontrolle – die Auswirkungen im Produktionsalltag:

01

Deutlich reduzierte Rüstzeiten durch automatisierte Auftragssteuerung.

Rüstlisten werden automatisch aus den Auftragsdaten berechnet und auf einem Tablet bereitgestellt. Der zuvor manuelle Berechnungs- und Dokumentationsaufwand entfällt vollständig. Darüber hinaus kann der Folgeauftrag gestartet werden, während sich noch die letzten Produktionsformen des Vorgängerauftrags in der Anlage befinden – ein Werkzeugwechsel erfordert keinen vollständigen Anlagenstopp mehr.

02

20 % höhere Anlagenauslastung durch parallele Auftragsabarbeitung.

Das Leitsystem ermöglicht die gleichzeitige Bearbeitung von zwei Aufträgen. Besonders bei kleinen Losgrößen, bei denen sequenzielle Abläufe zu erhöhten Rüst- und Wartezeiten führen, wirkt sich diese Fähigkeit direkt auf die Auslastung aus.

03

Reinigungsaufwand für Werkzeuge um mehr als 50 % gesunken.

Bisher wurden alle Werkzeuge der fünf Bearbeitungsstationen zweimal täglich gereinigt. Durchschnittlich 20 Werkzeuge pro Station erforderten dabei jeweils einen Reinigungsdurchgang von rund 30 Minuten. Das Leitsystem erkennt nun, welche Werkzeuge tatsächlich im Einsatz waren, und visualisiert diese Information auf einem Tablet. Die Reinigung beschränkt sich damit auf 5 bis 10 Werkzeuge mit einem Gesamtaufwand von 10 bis 15 Minuten pro Durchgang – eine Einsparung von mehr als 50 %.

04

Automatisierte Formenerkennung eliminiert manuelle Sichtkontrollen.

Ein in die Anlage integriertes Kamerasystem erkennt verschmutzte Produktionsformen auf Basis von Computer Vision und schleust diese selbstständig zur Reinigung aus. Der Werker muss keine visuelle Kontrolle mehr durchführen. Die eingesparte Zeit beträgt täglich rund 60 Minuten.

05

Kontinuierliche Prozessoptimierung durch datengestützte Formenverwaltung.

Die Verschmutzungsdaten der Produktionsformen werden über die Data-Analytics-Komponenten des Leitsystems ausgewertet. Formen mit wiederkehrenden Verunreinigungen an bestimmten Stellen werden systematisch identifiziert und gezielt aufbereitet. Das reduziert ungeplante Ausfälle und erhöht die Prozessstabilität langfristig.

06

Übersichtliche Verwaltung von Werkzeugen und Vormaterial schafft Planungssicherheit.

Das Leitsystem erfasst Status und Verbrauch aller Werkzeuge und Vormaterialien zentral und in Echtzeit. Produktionsleiter sehen jederzeit, welche Werkzeuge verfügbar, im Einsatz oder verschlissen sind und welches Vormaterial noch vorrätig ist. Fehlmengen und ungeplante Stillstände durch fehlende Betriebsmittel lassen sich damit frühzeitig erkennen und vermeiden.

07

Vollständige Transparenz über Aufträge und Anlagenzustand in Echtzeit.

Die durchgängige Vernetzung von Maschinensteuerung, Leitsystem und ERP-System schafft jederzeit Klarheit über den Stand laufender Aufträge, den Zustand der Betriebsmittel und die Materialverfügbarkeit. Entscheidungen auf Basis von Excel-Listen oder manuellen Aufzeichnungen sind nicht mehr erforderlich.

08

Weitere Betriebsvorteile durch vorausschauende Anlagenkonzeption.

Die Kombination aus durchdachtem Anlagenlayout und dem maßgeschneiderten Leitsystem ermöglicht weniger Materialtransport, einen optimalen Prozessablauf, vollständige Autonomie im Betrieb sowie Materialwechsel ohne Maschinenstillstand. Die Flexibilität in der Gestaltung der Fertigungsprozesse wurde damit wesentlich erweitert.

09

Sehr hohe Verfügbarkeit der Gesamtanlage.

Die Auswertung der von der Anlage gelieferten Daten schafft umfassende Transparenz über alle Auftrags- und Fertigungsschritte. Diese durchgängige Datengrundlage gewährleistet eine hohe Prozessstabilität und bildet die Basis für eine zuverlässig hohe Verfügbarkeit der Gesamtanlage.

ATR.SMARTFACTORY.PLATTFORM

Schreiben Sie Ihre eigene Erfolgsgeschichte

Entdecken Sie, wie die ATR.SmartFactory.Plattform Produktionsprozesse einfacher, effizienter und transparenter gestaltet.

In diesem Projekt eingesetzt

Werkerassistenz

Alle Arbeitsanweisungen und Prozessschritte direkt am Terminal – genau dort, wo sie gebraucht werden. Strukturierte Anleitungen, automatische Statusmeldungen und Echtzeit-Updates minimieren Fehler und entlasten die Werker spürbar.

Auftragsmanagement

Von der Auftragserteilung bis zum fertigen Produkt – lückenlos digital. Flexible Workflows, intelligente Batchbildung und automatisches Auftragstracking machen Produktionsprozesse transparenter und effizienter.

Betriebsmittelmanagement

Immer wissen, wo welches Werkzeug steht – und ob es einsatzbereit ist. Standort, Status und Verfügbarkeit aller Betriebsmittel sind jederzeit einsehbar, Ausfallzeiten und Suchzeiten gehören der Vergangenheit an.

ERP-Schnittstelle

Schluss mit manuellen Übertragungen zwischen Produktion und ERP. Automatisierter Datenaustausch ohne Medienbruch sorgt für eine präzisere Planung, weniger Fehler und mehr Zeit für wertschöpfende Tätigkeiten.

Maschinenüberwachung

Behalten Sie Ihre Maschinen jederzeit im Blick: Störungen werden frühzeitig erkannt, bevor sie zur Ausfallzeit werden. Mit IoT-Retrofit-Funktionalität lässt sich auch ältere Technik nachträglich in die digitale Überwachung einbinden.

Qualitätsmanagement

Prüfprozesse digitalisieren, Fehlerquellen systematisch eliminieren. Anpassbare Prüfpläne, automatisierte Auslösungen und eine direkte Verknüpfung von Ausschuss mit Maschinen und Aufträgen sorgen für nachhaltig höhere Produktqualität.

Rezeptmanagement

Alle Rezepturen werden zentral und digital verwaltet: stets aktuell, jederzeit abrufbar und vollständig dokumentiert. Rezepte lassen sich effizient erstellen, bearbeiten und dynamisch an wechselnde Anforderungen anpassen. Das erhöht die Produktionssicherheit und reduziert Fehler.